Decksaison-Planung: 12-Wochen-Countdown für Hengststationen

Was zwölf, acht, sechs, vier und zwei Wochen vor Saisonstart auf der Hengststation passieren muss — als prüfbare Checkliste.

Wandkalender mit handschriftlichen Decksaison-Notizen auf einem Schreibtisch, daneben Kaffeetasse und Notizblock.

Wer im Februar die erste Stute deckt, beginnt die Saisonvorbereitung im November. Dieser Beitrag zeigt zwölf Wochen vor Saisonstart, welche Aufgaben in welcher Woche auf einer Hengststation erledigt sein müssen — vom Hengstkader über die Behördenmeldung bis zur ersten Frischsamen-Lieferung.

Warum zwölf Wochen Vorlauf?

Drei Fristen geben den Takt vor. Sie wirken auf den ersten Blick wie unabhängige Termine, greifen aber ineinander — wer eine davon übersieht, schiebt die ganze Saison nach hinten.

Die früheste harte Grenze setzt der EVA-Test (Equine Virusarteriitis). Hengste müssen frühestens 28 Tage vor dem ersten Decken seronegativ getestet sein, die Befundung dauert je nach Labor drei bis sieben Tage. Im Februar werden die Labore knapp; wer die Probe erst Ende Januar einschickt, riskiert eine Verschiebung des Saisonstarts.

Die zweite Grenze ist der Hengstkatalog. Soll er vier Wochen vor Saisonstart in Reiterrevue, St.GEORG oder Pferd+Sport erscheinen, muss er sechs Wochen vorher beim Verlag liegen — ein verpasster Anzeigenschluss bedeutet eine ganze Saison ohne Print-Präsenz.

Die dritte Grenze ist die Behördenmeldung nach Tierzuchtgesetz (TierZG). Die meisten Bundesländer erwarten die aktualisierte Jahresanzeige als Saisonvoraussetzung; Bearbeitungsfristen von zwei bis vier Wochen sind die Norm.

Wer diese drei Fristen rückwärts rechnet, landet bei zwölf Wochen — dem pragmatischen Minimalvorlauf für eine geordnete Saison.

Woche 12 bis 9: Hengstkader und Strategie

In den ersten vier Wochen entscheidet sich die kommerzielle Substanz der Saison. Es geht um zwei Fragen, die alles andere bestimmen: Welche Hengste stehen im Angebot, und zu welchen Konditionen?

Die Antwort auf die erste Frage ist selten so eindeutig, wie sie klingt. Eigener Hengstbestand, Mitnutzungsverträge mit anderen Stationen, reine Frischsamen-Hengste, reine TG-Hengste (Tiefgefriersamen) — die Mischung verschiebt sich von Saison zu Saison. Für jeden Hengst werden Sportergebnisse des Vorjahres, Fohlenstatistik und aktuelle Genetik-Befunde gesichtet, dann fällt die Kader-Entscheidung. Hengste mit unter zehn Bedeckungen im Vorjahr und ohne Sportkarriere im Aufwind gehören selten in den neuen Katalog.

Parallel wird das Decktaxen-Modell festgelegt — Festpreis, Erfolgsgebühr, Foal-on-Ground oder eine Mischung. Wichtiger als das Modell selbst sind die Klauseln drumherum: Wiederholungsdecken im Folgejahr, Rückerstattung bei Tod der Stute, Aufpreise für Auslandsversand. Diese Klauseln gehören in die AGB der Station, nicht erst in den Vertrag der konkreten Buchung.

In dieselbe Phase fällt die andrologische Voruntersuchung. Jeder Hengst gehört in der ersten Novemberhälfte unter den Stationstierarzt zur Allgemeinuntersuchung, Hodenpalpation und Vorbereitung für das spätere Spermiogramm.

Zuletzt die Personalplanung. Stationstierarzt-Vertrag, Saisonkräfte für Pflege und Reiterei, Bereiter, Rufbereitschaftsregelung — Verträge spätestens Anfang Dezember unterschrieben. Wer im Januar noch sucht, sucht nach Kompromisskandidat:innen.

Woche 8 bis 7: Markt und Kommunikation

Mit dem festen Kader beginnt die Außenwirkung der Saison. Vier Stränge laufen jetzt parallel — Katalog, Präsentationen, Genetik, Buchung — und keiner verträgt eine Verzögerung um mehr als ein paar Tage.

Der Hengstkatalog erscheint zuerst online auf der Stations-Website, dann in den Fachzeitschriften, dann in Social Media. Stationen, die mit OneTrot’s Hengstkatalog arbeiten, pflegen die Daten einmal und ziehen Print-Layout, Online-Profil und Social-Snippets aus derselben Quelle.

Die Hengstpräsentationen brauchen feste Termine. Die großen Hengstschauen (Hannoveraner Hengstmarkt in Verden, Oldenburger Hengsttage, Westfalen-Schau in Münster-Handorf) haben eigene Bewerbungsfristen — teilweise schon im Sommer geschlossen, sodass die Saison-Vorbereitung hier eher die Logistik der Vorführung umfasst. Stationseigene Hengstvorführungen brauchen Saalmiete, Catering, Programmheft und den Versand der Einladungen.

Genetik-Befunde werden in derselben Phase aktualisiert. Mindestens WFFS (Warmblood Fragile Foal Syndrome) für jeden Hengst, bei Bedarf MH (Maligne Hyperthermie) und weitere Befunde nach Anforderung des Zuchtverbands. Laboklin und Generatio liefern Standardpakete; Bearbeitungszeit drei bis sechs Wochen inklusive Sicherheitsmarge.

Der Buchungs-Workflow wird scharfgeschaltet: Anfrage-Formular online, Mail-Adresse besetzt, Telefon-Routing geklärt. Wer Anfragen erst sammelt und am Stichtag in eine Excel kopiert, produziert die ersten Doppelbuchungen vor Saisonstart — fast immer, ohne es zu merken.

Woche 6 bis 5: Logistik und Stationsausstattung

Sechs Wochen vor Saisonstart wird die Vorbereitung greifbar. Bis hierher waren die Aufgaben strategisch und kommunikativ; jetzt geht es um Material, Verträge und Inventar.

Die Frischsamen-Logistik ist das prominenteste Thema. Verträge mit Hippoxpress, Nightstar oder regionalen Kurieren werden erneuert oder neu verhandelt. Pauschalkonditionen oder Einzelversand, welche Postleitzahlen werden taggleich beliefert, welche brauchen Vortagsversand — diese Fragen brauchen jetzt Antworten. Parallel werden die Versandbehälter (Equitainer, Hamilton) auf Vollständigkeit geprüft: Kühlakkus, Innenpolster, Verschlüsse.

Beim TG-Bestand geht es um nüchternes Inventar. Pailletten pro Hengst zählen, Tank-Füllstand prüfen, Stickstoff-Nachlieferung für die Saison buchen. Wer den Bestand realistisch gegen die erwarteten Buchungen rechnet und gegebenenfalls Nachproduktion einplant, vermeidet die unangenehmen Telefonate im April.

Die Stationsausstattung umfasst die Untersuchungsausrüstung des Stationstierarzts (Vacutainer, Tupfer, Vorlaufgel, Ultraschall, Sterilkomponenten für die Künstliche Besamung, KB) und die Aufstallung für Besucherstuten: reservierte Boxen, freie Paddocks, angepasste Heu- und Stroh-Vorräte. Jede dieser Positionen kann in der laufenden Saison zum Engpass werden.

Woche 4 bis 3: Behörden und Verbände

Vier Wochen vor Saisonstart verlagert sich der Schwerpunkt zur Verwaltung. Drei Stränge laufen jetzt parallel.

Die Veterinäramts-Jahresmeldung aktualisiert die Bestandsdaten beim zuständigen Amt. Was genau zu melden ist, hängt vom Status der Station nach Tierzuchtgesetz und Pferdezuchtverordnung ab. Wichtig zu wissen: Die zuständige Behörde ist nicht in jedem Bundesland gleich — manche arbeiten über das Veterinäramt des Landkreises, andere über eine Landesanstalt oder eine Landwirtschaftskammer. Zuständigkeit vorab klären, dann pünktlich melden.

Parallel laufen die Decklisten-Vorlaufmeldungen an die Zuchtverbände. Wo Hengste bei FN — Deutsche Reiterliche Vereinigung, Hannoveraner Verband, Oldenburger NORD/INT. oder Westfalen deckberechtigt eingetragen sind, brauchen die Verbände frühe Information für die Bedeckungsbescheinigungen. Manche akzeptieren laufende Meldung, andere arbeiten mit Stichtagslisten — der Unterschied lohnt sich vorher zu klären.

Der dritte Strang sind die ersten Stutenanmeldungen. Anfragen aus den Wochen sieben und acht werden in feste Buchungen umgewandelt, Vorabinformationen werden eingesammelt: Stutenpedigree, Gesundheitsstatus, Anlieferungstermin.

Woche 2 bis 1: Letzte Tests und Briefing

Die letzten beiden Wochen sind für Validierung und Notfallplanung reserviert. Die Vorbereitung ist im Großen abgeschlossen; jetzt geht es darum, das System einmal vollständig zu testen, bevor der erste Vertrag aktiv wird.

Der EVA-Test steht jetzt final, alle Hengste seronegativ, Befunde schriftlich und ablagereif. Positivbefunde bedeuten in der Regel Quarantäne und Saisonausfall für den betroffenen Hengst — die Notfallplanung mit Versand-Alternative, Stutenumbuchung und transparenter Kommunikation an die gebuchten Züchter:innen sollte stehen, bevor der Befund auf dem Tisch liegt.

Das Personalbriefing ist die zweite große Aufgabe. Saisonkräfte werden in Hygieneprotokoll, Umgang mit Hengsten und Notfallnummern (Klinik, Stationstierarzt-Vertretung) eingewiesen. Wer nie auf einer Hengststation gearbeitet hat, braucht den Termin zwingend, nicht optional.

Daneben werden Notfall-Protokolle festgehalten und ausgehängt: TG-Tank-Stickstoffausfall, Hengst-Erkrankung, IT-Ausfall im Buchungssystem. Die Frage ist nicht, ob einer dieser Fälle eintritt, sondern wer wen in welcher Reihenfolge anruft, wenn er eintritt.

Eine Woche vor Saisonstart geht eine letzte Mail an die gebuchten Züchter:innen mit den operativen Eckdaten: Anlieferungsfenster, Anfahrtsweg, Zahlungsmodalitäten, Ansprechpartner. Das spart an Saisontag eins die Hälfte der Telefonate.

Saisonstart: Tag eins

An Tag eins zählen drei Dinge — und sie zählen ab dem Moment, in dem der erste Hengst geführt wird.

Erstens das Spermiogramm bei jedem Hengst: Beweglichkeit, Konzentration, Morphologie, dokumentiert in einem wiederauffindbaren Format. Wer das nicht standardisiert dokumentiert, hat im Streitfall mit unzufriedenen Züchter:innen keine Datengrundlage.

Zweitens das produktiv geschaltete Buchungssystem mit Backups in Reichweite und verteilten Verantwortlichkeiten. Wenn am ersten Tag mehrere Personen parallel Anfragen bearbeiten, muss klar sein, wer welche Entscheidungen treffen darf.

Drittens die tägliche Hygieneroutine: Stutenuntersuchung, Tupfer, Reinigung der Phantome. Routinen, die ab Tag eins jeden Tag ablaufen — und nicht nach den ersten zwei Wochen erschlaffen.

Die zwölf Checkpoints in Kurzform

Zum Abhaken am Whiteboard oder im Buchungssystem:

  • [ ] Hengstkader, Decktaxen-Modell, Andrologie, Personal (Woche 12–9)
  • [ ] Hengstkatalog publiziert (Woche 8–7)
  • [ ] Hengstpräsentationen geplant (Woche 8–7)
  • [ ] Genetik-Befunde aktualisiert (Woche 8–7)
  • [ ] Buchungs-Workflow aktiv (Woche 8–7)
  • [ ] Frischsamen-Logistik vertraglich geregelt (Woche 6–5)
  • [ ] TG-Bestand inventarisiert (Woche 6–5)
  • [ ] Stationsausstattung komplett (Woche 6–5)
  • [ ] Veterinäramts-Meldung raus (Woche 4–3)
  • [ ] Decklisten an Verbände kommuniziert (Woche 4–3)
  • [ ] EVA-Tests final, Personal gebrieft, Notfallpläne dokumentiert (Woche 2–1)
  • [ ] Spermiogramm, Buchungssystem live, Hygieneroutine etabliert (Tag eins)

FAQ

Wie viele Wochen vor Saisonstart sollte der EVA-Test gemacht werden?

Mindestens 28 Tage. Das ist die übliche Empfehlung der Zuchtverbände und Versandlogistiker, weil das Befundungsergebnis zum Versandzeitpunkt nicht älter als ein Monat sein darf. Wer Auslandsversand in Länder mit strengeren Regelungen plant, sollte den Test früher ansetzen.

Was tun, wenn ein Hengst kurz vor Saisonstart EVA-positiv testet?

Erstmaßnahme: Versandstopp für diesen Hengst, Information an alle gebuchten Stuten-Besitzer:innen, Rücksprache mit dem Stationstierarzt zur weiteren Diagnostik. Eine seropositive Reaktion bedeutet nicht automatisch Virusausscheidung — Folgetests klären das. Plan B mit Alternativhengst oder Erstattung sollte aber stehen, bevor der Befund auf dem Tisch liegt.

Müssen alle Hengste auf WFFS getestet sein?

Verbandsabhängig. FN-Empfehlungen und einige Verbände (z.B. Hannoveraner, Oldenburger) verlangen den Befund als Voraussetzung für die Eintragung. Auch wenn nicht verlangt: Züchter:innen fragen 2026 routinemäßig nach, und ein offener Negativbefund ist Verkaufsargument.

Wann müssen die Decklisten beim Verband eingereicht werden?

Verbandsspezifisch. Die meisten Zuchtverbände verlangen die Decklisten innerhalb von 14 Tagen nach Saisonende, einige akzeptieren laufende Meldung. Wichtiger als der späte Stichtag ist das System, das die Bedeckungen vollständig erfasst.

Lohnt sich eine Stationssoftware für eine Station mit drei Hengsten?

Ab drei Hengsten und mehr als 20 Bedeckungen pro Saison lohnt sich der Wechsel von Excel auf eine dedizierte Lösung — etwa auf OneTrot, das gezielt für Hengststationen gebaut ist (Pakete unter Preise). Die Faustregel: wenn der Buchungsstand und die Behördenmeldung in mehr als zwei Tabellen parallel gepflegt werden, ist Excel die teurere Lösung.


Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine juristische, steuerliche oder veterinärmedizinische Beratung. Behördliche Anforderungen unterscheiden sich nach Bundesland — Details bitte beim zuständigen Amt verifizieren.

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